Worte des Lebens

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Liebe Menschen in unserer Gemeinde, liebe Freund*innen!

Ich lade Sei herzlich ein zu einem gemeinsamen Gang durch das Markusevangelium! Abschnitt für Abschnitt, manchmal vielleicht auch nur ein Vers.Nicht täglich, aber doch regelmäßig.

Wenn Sie Lust haben, auf meine Gedanken und Fagen zu antworten, schreiben Sie mir eine Mail?

Sind Sie dabei? ich bin gespannt auf diesen, auf diese Weise auch gemeinsamen Weg!

Gutes und Segen! Ihr Pastor Gerhard Bothe


 

5. August

Dämonenaustreibung

 

Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist; der schrie:                                        Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu vernichten?                                       Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!  Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre                                  aus von ihm!  Und der unreine Geist riss ihn hin und her und schrie laut und fuhr aus von ihm.                                              Und sie entsetzten sich alle, sodass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das?                                   Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm!                                         Und die Kunde von ihm erscholl alsbald überall in das ganze Land um Galiläa. (Mk.1, 23-28)

 

Die ersten, die erkennen, mit wem sie es bei Christus zu tun haben, sind nicht die Menschen,                                             sondern die „bösen Geister“, die „Dämonen“, wie sie in manchen Übersetzungen auch genannt werden.                           Wir glauben in aller Regel nicht mehr an die Besessenheit von Dämonen und entsprechende Austreibungen.                 Besetzt von „unreinen Geistern“ sind wir trotzdem!

 

Was ist in einem übertragenen, aber eben genauso wirksamen Sinn ein Dämon? Meine erste Antwort dazu ist:                 alles, was dich klein macht und dich hindert, sich aufzurichten zu deiner von Gott gemeinten Größe und Freiheit!               Ich jedenfalls weiß genug über meine eigenen Ängste, längst eingeübte innere Verbiegungen und einengende Glaubenssätze.                                                                                                                                                                            Bemerkenswert und berührend, dass die Dämonen in dieser Geschichte wie selbstverständlich in der Wir–Form sprechen: Es gibt sie nur als Plural der inneren Stimmen, von denen immer eine gerade Sprecher/Sprecherin ist.               Es sind alles fremde, von außen übernommene Stimmen, sei es aus der eigenen Familiengeschichte oder aus                    dem gesellschaftlichen Wertekatalog (du musst, du sollst, du darfst nicht, du kannst nicht).                                                  Sie sprechen in der Wir-Form, weil sie ein freies Ich nicht kennen und ertragen.                                                                            Die Dämonen wollen nicht, dass du Ich sagst! Das kannst du aber – in Gottes Namen!

 

Womit auch die Aufgabe des Gottesdienstes und der Predigt noch einmal inhaltlich deutlich wird.                                      Es geht nicht nur um „gute“ , freundliche Worte, die möglichst niemanden zu nahe treten.                                                     Es geht darum, in dem oben beschriebenem Sinn „Dämonen“ beim Namen zu benennen, persönliche                                  und gesellschaftliche. Viel wichtiger aber noch: uns miteinander an die Freiheit und die offene Zukunft                                zu erinnern und sie uns gegenseitig zuzusprechen. In Jesu Namen!

 

1. August                                                                                                                                                                                              Vollmacht und Schriftgelehrte

 

Und sie gingen hinein nach Kapernaum, und alsbald er am Sabbat ging in die Synagoge und lehrte.                                       Und sie entsetzten sich über seine Lehre denn er lehrte mit Vollmacht und nich wie die Schriftgelehrten.                           Mk 1,21- 22 (Lutherübersetzung) 

 

Jesus erste Predigt! Mit großer Selbstverständlichkeit geht er als jüdischer Gotteslehrer am Sabbat                                       in die Synagoge und legt die vorgeschlagenen Texte aus der Torah aus.                                                                                Über den Inhalt seiner „Predigt“ berichtet Markus nichts.                                                                                                              (Es gab früher das geflügelte Wort, dass eine/einer aus dem Gottesdienst nach Hause kommt und von                          den anderen zuhause  gefragt wird: Was hat der Pastor, die Pastorin gesagt? Und sie/er kann nichts davon                       wiedergeben außer: es hat mir gutgetan! Ist das nun viel oder wenig?                                                                                             Was ist kann mann/frau von einer Predigt erwarten? Vielleicht nicht so viel, wie es Pastor*innen gern hätten. Andererseits gibt es immer wieder Menschen, die nach einem Gottesdienst sagen:                                                             Das (manchmal ein einziges Wort) war für mich!  Dann war es „Gottes Wort!“

 

Von Jesus sagt Markus, er lehrte mit „Vollmacht“, mit deutlicher Abgrenzung zu den „Schriftgelehrten“.                                Es gibt keine Personengruppe,  die in der Bibel so schlecht wegkommt wie die Schriftgelehrten.                                            Dabei ist die Bibel selber eine Schrift!

Trotzdem sieht die Bibel offenbar in Bezug auf die Religion keine größere Gefahr, als dass es bei der                               Schrift bleibt.Ich verstehe das so: Schriftgelehrte Frömmigkeit stellt gern sogenannte „Lehrinhalte“                                        über die persönliche Erfahrung und wird damit leicht abstrakt und blutleer.                                                                      Schriftgelehrte Frömmigkeit stellt oft moralische Normen und Regeln über den über den konkreten Menschen                   und wird damit schnell lieblos und unbarmherzig.                                                                                                              Schriftgelehrte Frömmigkeit steht in Gefahr, das Nachdenken über den Glauben für Glauben selbst zu halten.

 

Und Vollmacht? Es gibt sie nicht ohne die authentische Erfahrung eines einzelnen Menschen.                                             Dass im Fall eines Predigers (wie mir!) meine Worte ganz durch mich hindurchgehen.                                                              Manchmal erlebe ich das, wenn ich predige.                                                                                                                        Wahrscheinlich sollte ich, wie früher schon einmal, wieder freier sprechen, nicht so sehr an meinen vorgefertigten Gedanken kleben und mehr dem vertrauen, was dann, in diesem Augenblick, auch im Raum mit den Hörer*innen entstehen kann und will.

 

Wenn es von der Predigt Jesu heißt, sie hätte seine Hörer*innen „entsetzt“, ist damit sicher noch mehr gemeint,                 als dass er sie innerlich erreicht hat. Er legt die ihnen vertrauten Texte auf ganz neue und sie auch                         beunruhigende Weise aus – auch darin besteht seine Vollmacht!

 

In meiner Vorstellung kommt seine besondere Vollmacht aber daher, dass er in jeder Situation, auch beim                        Auslegen alter Texte, ganz mit der Gegenwart Gottes verbunden ist.                                                                                        Das kann und das will ich von mir nicht sagen. Meine "Vollmacht", wenn ich das Wort denn überhaupt für mich              nehmen kann, ist immer eine abgeleitete Vollmacht. Ich kann nur sagen, was ich von Jesus verstanden habe                     und in diesem Sinne auf ihn zeigen. Das aber so authentisch und ehrlich wie möglich.

 

Was ist für Sie "Vollmacht" und wann erleben Sie einen Menschen so?

 

29. Juli 2021

Der Ruf ins Leben II - Jünger*innen

 

Jesus beruft seine ersten Jünger. Von nun aber werden sie im wie selbstverständlich auf seinem Weg                        durch die Dörfer Galiläas folgen, seine Reden und Geschichten hören, seine Wunder und Heilungen,                                    aber auch die Anfeindungen miterleben. In manchen Gleichnissen und Gesprächen wendet sich Jesus                                 ganz direkt an sie, seinen engeren Kreis.

In den Evangelien werden 12 Jünger namentlich genannt, aber wir können davon ausgehen, dass es mehr                    waren, Jünger und Jüngerinnen ( was für die damalige Zeit bemerkenswert ist).                                                                   Hat Jesus sie auserwählt, und wenn ja, nach welchen Kriterien?                                                                                             Oder hat er viele eingeladen, ihm nachzufolgen, und nur einige sind seinem Ruf gefolgt?

 

In jedem Fall ist festzuhalten, dass Jesus viel Zeit damit verbracht hat, um sich herum einen Kreis von                  Menschen, ja eine Lebensgemeinschaft zu bilden. Vermutlich mehr Zeit als mit Predigen und Heilen.

Auf ihrem gemeinsamen Weg werden sich die Jünger*innen immer wieder als unvollkommen herausstellen.                    Sie verstehen vieles nicht, streiten sich um die Rangfolge, nehmen einerseits den Mund zu voll und dann,                             aber, als es ernst wird, auch schnell  reißaus.

Sie sind darin wie du und ich.

 

Ich habe es immer eine der Stärken des Christentums gefunden, dass darin, wie realistisch und                                      auch kritisch die Jünger*innen Jesu beschrieben werden, die Möglichkeit zur Selbstkritik                                                        ( auch  kirchlicher Verhältnisse!) immer schon in das Evangelium  quasi mit eingebaut ist.

 

Wenn Jesus Menschen um sich sammelt und in seine Weggemeinschaft holt, dann vielleicht auch ,                               weil man/ frau in keiner spirituellen Lehrrede soviel lernen, so geprägt werden kann wie in der                                leibhaftigen Nähe, in der Präsenz einer Person.                                                                                                                                Einfach dabei sein, und zuschauen, etwas davon einatmen, wie jemand anderes etwas macht.                                           So lernen Kinder das Leben, und wir tun es auch.

 

Von wem hast du in dieser Weise viel gelernt und dir etwas Wichtiges abgeschaut?

 

26. Juli

Der Ruf ins Leben

 

Und ich erzähle: Als er am Meer von Galiläa war, sah er Simon mit seinem Bruder Andreas,

die waren Fischer und warfen, in hohen Bögen, ihre Netze ins Meer, und er sagte zu ihnen:

„ Komm! Geht mit mir, ihr sollt Menschenfischer sein!“ Da ließen sie die Netze liegen, die beiden,

und folgten ihm nach, und er ging weiter und sah Jakobus, Zebedäus` Sohn mit seinem Bruder Johannes.

Die standen im Boot und flickten die Netze. Er aber rief sie: „Her zu mir! Kommt!“

Und da ließen sie ihren Vater Zebedäus und die Fischer, die angeheuerten Männer, allein im Boot

und folgten ihm nach. Markus 1,14-20  (W.Jens)

 

Montagmorgen. Gestern ein, bei aller Sommerlichkeit auf dem Kirchhof, intensiver und eindrücklicher

Gottesdienst; die Notlage und die Bilder der Hochwasserkatastrophe wirken nach.

Ob wir gesellschaftlich, aber auch ganz persönlich, daraus die nötigen Konsequenzen zu ziehen,

was unser Verhalten gegenüber unserer „Umwelt“ angeht?

Die doch viel mehr ist als Umwelt – wir sind ein Teil von ihr, „inmitten“, wie Albert Schweitzer sagt,

untrennbar verbunden mit „allem, was lebt.“

 

Die EU-Kommission nennt in ihre europäischen Zielvereinbarung zur angestrebten Klimaneutralität,

die vielen in der Wirtschaft schon zu ehrgeizig ist, einen „Green Deal“.

Aber kann man mit der Natur einen „Deal“ schließen, in dem Sinn von:ein bisschen für dich,

ein bisschen aber auch für weiteres Wirtschaftswachstum und die uns gewohnte Art zu leben?

Ich finde, auch die Gesamtkirche könnte in dieser Frage viel radikaler sein.

Radikal, das heißt übersetzt: an die Wurzel gehend.

 

Der Ruf Jesu in dieser ersten Nachfolgegeschichte im Markusevangelium ist radikal.

Mit unwiderstehlicher Überzeugungskraft und Vollmacht ruft er die einfachen Fischer aus ihren

Lebensumständen heraus, aus allem, was sie bis dahin für vorgegeben und unabänderlich

gehaltenhaben, Beruf und Familie.

Etwas in seiner Gegenwart (oder alles!) lässt sie erfahren, dass jetzt der Zeitpunkt ist,

endlich aufzubrechen in ihr eigentliches Leben, in das, was Leben eigentlich meint.                                                        „Kommt ins Offene!“ (Friedrich Hölderlin).    

 

Was heißt das heute für mich?

Ich habe gleich Termine. Heute, am Montagmorgen, ruft Jesus mich nicht

aus meinem Leben heraus, sondern neu in meine täglichen Aufgaben hinein!

Die Frage, was dabei wirklich wichtig ist, weil es mein Ruf ist,

meine Berufung, will ich dabei nicht aus den Augen verlieren.                                                                                                           „Was ein Mensch ist, ergibst sich aus der Wahrheit, die in ihm liegt und zu der er berufen ist.“

(Eugen Drewermann).

Wozu fühlen sie sich berufen? Heute, und darüber hinaus?

 

In dem wunderbaren Gedicht von Herrmann Hesse Stufen heißt es am Ende nicht nur

„Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

sondern auch: „Der Ruf des Lebens an uns wird niemals enden!“

 

 

21. Juli 

Das Gottesreich ist nah!

Und ich erzähle: Als Johannes ausgeliefert war - ins Gefängnis! zum Tod -,

kam Jesus nach Galiläa und verkündete Das Gute Wort, Gottes Botschaft:

"Die Zeit ist erfüllt, die Stunde ist da. Das Reich Gottes ist nah.

Kehrt um und glaubt Gottes Botschaft!"

 

Wenn diese ersten Verse des Markusevangeliums Vorbereitung und Ouvertüre waren,

dann geht es jetzt richtig los! In der Evangeliumsübersetzung von Walter Jens, die mir

die liebste ist, beginnt von jetzt ab jeder weitere Abschnitt mit: Ich erzähle!

Es ist so, als wollte Markus mit diesem Vers sagen: Wenn ihr wissen wollt, wie Jesus die Bühne

seines Wirkens betreten hat und was die Quintessenz seiner Botschaft war – hier habt ihr es!

Tatsächlich finden auch die Bibelforscher*innen: 

Das könnte Jesus tatsächlich genauso gesagt haben: O-Ton Jesus!

 

Das Reich, die Herrschaft, die Welt, der Raum Gottes ist nah!

Wie immer mann/frau es übersetzen will – das Entscheidende ist die Nähe.

Gott wohnt nicht in fernen Himmeln, sondern er ist dir näher, näher als eine Handbreit,

näher als deine Nase, näher als dein eigenes Herz.

Wenn du das wirklich glauben würdest – was würde sich für dich ändern?

 

Als mir dieser Satz das erste Mal bewusst nahegekommen ist, war ich Zivildienstleistender

in Kiel im Krankenhaus. Es war gute, aber harte Arbeit;über meine Arbeit hinaus war in der

mir fremden Stadt oft sehr allein.Ratlos, wie ich jemanden kennenlernen könnte, war ich auch.

Ich erinnere mich, wie ich einmal in den Cafe - Innenhof eines großen Stadtteilzentrums gegangen bin.

Viele Tische, alle unbesetzt.Nur in der Mitte, in ihre Zeitung vertieft, ein Mädchen.

Irgendwie habe ich diesmal, anders als sonst, beschlossen: ich setze mich jetzt einfach an ihren Tisch!

Was kann mir schon passieren!Zuerst hat sie mich gar nicht bemerkt.

Als sie dann von ihrer Zeitung hochschaute, war alles ganz einfach.

Es stellte sich heraus: sie war fremd in Kiel und wenn ich ihr etwasvon der Stadt zeigen möchte,

wäre das ganz wunderbar! Wir haben dann einen guten und entspannten Stadtausflug gemacht.

 

Und ich dachte hinterher: so ist das!

Das Reich Gottes, die gute, so viel bessere Möglichkeit ist ganz nah. 

Du bist nur wie durch eine dünne unsichtbare Glasscheibe davon getrennt.

Was dich in Wahrheit davon trennt, ist nur ein beherzter Schritt, ein Mut, ein einziger,

manchmal sehr kleiner Sprung über den eigenen Schatten.

Das Bild von der dünnen Scheibe, Membran, wie auch immer, begleitet mich immer noch.

Der Augenblick, durch sie hindurchzugehen, ist immer Jetzt.

Wie oft habe ich das schon in meinem Leben verpasst!!

Aber die nächste Gelegenheit ist: Jetzt. Die Stunde ist da.

 

Weißt du wo

der himmel ist

außen oder innen

eine handbreit

rechts und links

du bist mitten drinnen

 

weißt du wo

der himmel ist

nicht so tief verborgen

einen Sprung

aus dir heraus

aus dem haus der sorgen    (Wilhelm Willms)

 

 

20 Juli

In der Wüste II

 

Warum ist Jesus direkt nach seiner Taufe in die Wüste gezogen und was hat er dort getan?

Ich habe mich im Zusammenhang mit den „wilden Tieren“ und der damit verbundenen Lebensaufgabe

der Integration an eine Bibliodrama- Situation erinnert. Studierende wollten diese ganzheitliche Methode

der Bibelauslegung anhand der Geschichte vonJesu Taufe kennenlernen.

 

Die Rollen der Geschichte war schnell verteilt: Johannes der Täufer, das Jordanwasser (Oberflächen -

und Tiefenwasser), heilige Geistkraft.Die Stimme Gottes wollte zum richtigen Zeitpunkt von der

Empore der Johanneskirche Harvestehude rufen: Du bist mein geliebtes Kind!

Es gab Menschen, die wollten Steine spielen (vielleicht würde das ganze ja steinerweichend werden...),

andere wollten einfach Zuschauer sein, das Volk. Aber niemand wollte die Jesusrolle übernehmen.                   

Das ist oft so am Anfang. Mit der Zeit erfährt mann/ frau, dass das gut geht. Auch in dieser Rolle kommt

ja immer nur ein Blickwinkel ans Licht, auch was Jesus angeht. Aber immerhin!

"Gut", habe ich gesagt, " ich spiele Jesus." Da meldet sich eine Frau, die noch keine Rolle übernommen hat,

und sagt spontan: "Dann bin ich deine Sünde!"

Das ist das Spannende an dieser lebendigen Methode der Bibelauslegung:  

es geschieht immer unvorhergesehenes, planbar oder widerholbar ist es nicht.

 

Alle gehen in ihren Rollen in Stellung. Ich mache mich auf dem Weg zum Jordan,

aber ich komme nur langsam voran: die leibhaftige „blonde Sünde“ klammert sich angstvoll

an mein Bein! Der Jordanfluss krempelt sich schon die Ärmel hoch: "Soll sie nur zetern!

Taufe bedeutet, dass die Sünde von Jesus abgetan, das heißt ertränkt gehört!"

Hmm.Mir gefällt das nicht.

Auf einmal, so kommt es mir vor, ist eine ganze christliche Unheilsgeschichte mit im Raum.

Gewalt, Unterdrückung (in diesem Fall unter Wasser)und „dran glauben müssen.“

 

Als ich, besser gesagt wir, am Ort der Taufe ankommen, vorn im Altarraum von St. Johannes,

erkläre ich den verdutzten Fluss - Spieler*innen, dass es diesmal anders laufen wird.

Schließlich spiele ich gerade Jesus und bin in der Rolle der Vollmacht!

Sie dürfen mich, nein uns gerne taufen, was immer das dann heißt.

Aber die Sünde nehme ich mit in die Wüste, ich will sie  dort kennenlernen und schauen,

ob sie nicht doch auch einen guten Ort haben kann in meinem Leben.

Schließlich ist sie jetzt doch auch getauft!

 

Wir hatten in dieser Bibliodrama-Gruppe hinterher einiges zu besprechen und zu erzählen.

An welcher Stelle Jesus über Johannes den Täufer hinausgegangen ist.

Von den alten Drachentöter - Geschichten und ob es nicht bessere, liebevollere und letztlich auch

glücklichere Wege gibt, mit (vermeintlichen!) Drachen umzugehen.

 

19. Juli

 Wüste

 Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde

versucht von dem Satan und war bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm. Mk1,12-13

 

Das Taufwasser ist noch nicht trocken hinter seinen Ohren – da führt „der Geist“ Jesus in die Wüste.

(Noch tiefer in die Wüste hinein, denn die Jordantaufe war auch schon in  Wüstenland).

Wüste - das steht in der Geschichte Israels für Einkehr, ein Zurück zum Anfang und damit auch

für Erneuerung.Gleichzeitig beschreibt es einen Ort und eine Zeit der Prüfung.

Wer bin ich, wenn alle fremden und äußeren Stimmen mit all ihren Normen und Erwartungen

einmal schweigen? Wer bin ich in Wahrheit?

Und bevor ich dann vielleicht und hoffentlich meiner inneren Wahrheit begegne –

welche Stimme melden sich dann in mir?

 

In der ausführlicheren Versuchungserzählung bei Matthäus und Lukas macht der VersucherJesus

drei verführerische Angebote, die es den Menschen geradezu unmöglich machen würden,

ihm nicht zu folgen.Aber Jesus entscheidet sich stattdessen für die freie Entscheidungskraft

der Menschen und damit auch für seine eigene Verwundbarkeit.

Das ist in atemberaubender Dichte erzählt (Matth.4 + Lk.4)

 

Die Markusversion ist dagegen kurz, aber in ihrer Konzentration nicht weniger dicht.

Er war bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Wenn ein Mensch in die Wüste geht oder dorthin geführt wird vom Geist  ( den Zeitpunkt wählt mann/frau

sich ja oft nicht selbst), dann melden sich die inneren „wilden Tiere“:

Sehnsüchte, Verletzungen, innere Triebe und Kräfte, die sich sonst nicht zeigen und die mann/frau auch

nicht haben, vielleicht nicht einmal anschauen möchte. Aber sie sind doch da!

In der Version der Versuchungsgeschichte bei Matthäus und Lukas kann Jesus zu dem Versucher

immerhin sagen: Weiche von mir!

Aber die inneren wilden Tiere können nicht einfach fortgejagt werden.                              

Sie wollen integriert werden, sie wollen auch einen Platz haben in der Seele.

 

Ich stelle mir vor, dass Jesus in seiner Wüstenzeit versucht, herauszufinden, was es heißt,

ein „Menschensohn“ zu sein: Von Gott geliebt - und doch ein Mensch!  

Aber eben auch andersherum: ein Mensch, verwundbar, zu Zeiten auch ausgesetzt -

aber auch von Engeln begleitet. Die Engel dienten ihm.

Die Engel gehen auch unter der Erde - und tragen den Weg.

 

5. Juli

Der offene Himmel  

 

Der offene Himmel, von dem Markus zur Taufe Jesu erzählt, geht mir nach.

Was für ein Bild! Wenn ich für das Markusevangelium eine Überschrift wählen würde,                                                    dann vielleicht dies: Der offene Himmel!

 

Es ist vielleicht auch ein Bild für die Glaubenserfahrung, in der Jesus über seinen Täufer

Johannes hinausgeht, was auch religionsgeschichtlich neu ist –

und für uns Menschen auch immer neu und kaum zu fassen bleibt!

 

 Du musst dich für Gottes Gegenwart nicht bessern, nicht ändern,

(auch wenn unsere Welt dringend Veränderung braucht!).

 Du musst dich im Namen Gottes nicht ausstrecken nach etwas,

was du eh nicht erreichen kannst.Auch und erst Recht nicht

durch Drohung und Angst vor Strafe. (Das ist Johannes ist nicht fremd).

 

Sondern der Gott, den du bewusst oder unbewusst suchst, ist immer schon da!

Gott ist Liebe. Und sein einziges Wort zu dir ist Ja.

Kein jein, kein ja aber, sondern einfach Ja.

Wenn ein Mensch dieses Ja hört ( die Stimme bei der Taufe Jesu: Des ist mein geliebter Sohn!),

dann ist der Himmel offen: Hier und Jetzt.

 

Mir kommt ein Gedicht von Kurt Marti in den Sinn,  auch ein Taufpsalm

ich wurde nicht gefragt                                                                                                                                                                         bei meiner zeugung

und die mich zeugten

wurden auch nicht gefragt

bei ihrer zeugung

niemand wurde gefragt

außer dem Einen

und der sagte

ja!

 

ich wurde nicht gefragt

bei meiner geburt

und die mich gebar

wurde auch nicht gefragt

bei ihrer geburt

niemand wurde gefragt

außer dem Einen

und der sagte

ja !

 

Ich wünsche Ihnen heute einen offenen Himmel

und ein, vielleicht sanftmütiges, aber furchtloses

Ja zu sich selbst und dem, was Ihnen heute begegnen will!

                   

12. Juli

Taufe II

 

Was bedeutet Taufe? Was bedeutet Ihnen Ihre Taufe?

Für die Freizeit der Konfirmand*innen letzte Woche habe ein Blattmit 22 Vorschlägen/Anregungen

zusammengestellt,was Taufe bedeuten kann. Ich habe die Kids eingeladen, für sich drei Antworten

davonauszusuchen, gern nummeriert von eins bis drei.

Was wären Ihre drei Favoriten? Oder haben Sie einen anderen Satz?

 

22 Antworten, was Taufe bedeuten kann

  • Ich weiß, dass ich ein geliebter Mensch bin
  • Ich darf mich zeigen mit meinen Stärken und Schwächen
  • Ich kann neu anfangen
  • Gott hat mir vergeben
  • Ich brauche keine Angst zu haben
  • Die Vergangenheit liegt hinter mir
  • Ich freue mich auf das, was vor mir liegt
  • Ich werde meinen Weg finden
  • Gott wird mich immer begleiten
  • Ich bin wertvoll
  • Ich bin einmalig
  • Ich bin mehr als das, was ich leiste 
  • Ich bin wichtig
  • Ich bin schön, so wie ich bin
  • Mein Leben ist ein Geschenk
  • Leben ist trotz aller Schwierigkeiten wunderschön
  • Niederlagen werfen mich nicht um
  • Ich setze mich für andere Menschen ein
  • Ich versuche, meine Nächsten zu lieben
  • Ich kämpfe gegen Ungerechtigkeit
  • Ich setze mich für den Frieden ein
  • Auch mit dem Tod ist nicht alles aus

 

11.Juli

Taufe

 

Jesus lässt sich von Johannes dem Täufer im Jordan taufen. Eine Szene, die ich mir gern vorzustellen versuche.

Allein schon, wie die beiden sich begegnen.

Erkennt Johannes gleich, das er den Christus vor sich hat, den er schon so lange ersehnt und erwartet hat?

Und wenn er ihn gleich erkennt ( was ich denke): woran erkennt er ihn?

 

Und dann der offene Himmel, die Taube ( oder genauer: Geiskraft, die herabkommt wie eine Taube)

und die Gottesstimme: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe!

Ist das eine innere Stimme in Jesus oder hören das seine „Taufzeugen“ auch?

 

Für Markus ist dieser offener Himmel das erste Zeugnis dafür, dass Jesus der Christus ist,

eben Gottes „geliebter Sohn“.Aber sind wir nicht alle Gottes Kinder?

Wenn wir in unserer Gemeinde Menschen taufen, ( Hailey amDonnersatg auf der Konfirmand*innenfreizeit

in der uralten Sankt-Martinskirche in Raven, in aller Regel aber in unserer wunderbaren Taufkapelle in Jubilate)

dann nehmen wir alle Täuflinge mit hinein in dieses „ geliebtes Gotteskind“, egal wie alt sie sind.

"Auch über dir und für dich der offene Himmel, immer wieder! 

Geistkraft und eine Gottesstimme, die zu dir spricht: Ich bin bei dir. Fürchte dich nicht!"

 

Haileys Taufe haben wir auf unserer Freizeit gebührend gefeiert, mit einer selbstgestalteten Taufkerze,

einem  von der Gruppe für sie bemalten Tauf-Tshirt und einen eigens für sie gebackenen Taufkuchen.

Für ihre Taufe in der in der nächtlichen Kirche nur durch Kerzen erleuchteten Kirche hat sie sich einen

Taufspruch von Jesaja ausgesucht: Mache dich auf und werde licht!

 

 

9. Juli

Johanneskraft

 

So war Johannes in der Wüste, taufte und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

 

Johannes der Täufer war erst kürzlich Thema im Gottesdienst, zum Johannestag (Johanni) am Tag                                der Sommersonnenwende. Ich habe versucht, ihn dabei in der gebotenen Kürze mit wenigen Strichen zu skizzieren. In der Hoffnung, dass in Ihnen dabei vielleicht ein eigenes, inneres Bild entsteht zur Johanneskraft!

 

Die Stimme - was für eine Stimme, die sogar die Wüste füllt!                                                                                                            Eine Stimme, die alles Volk herausruft, heraus aus ihren Komfortzonen zurück in die Wüste, für Israel der Ort                      des Anfangs, der Herausforderung und der Erneuerung.                                                                                                             Dort mutet Johannes ihnen seine Zeitansage zu, der schont sie dabei nicht.                                                                          Kehrt um, tut Buße – in heutiger Sprache und hochaktuell: Ihr müsst euer Leben ändern!                                

Und wenn ihr es damit wirklich ernst meint, dann lasst euch taufen. Ganz untertauchen im Jordanfluss,                         das Alte, Überkommene soll ertrinken, aber ihr sollt neu und gewandelt herauskommen!

 

Johannes erinnert mich an den wilden Mann, wie er in Anlehnung an Märchen wie das vom Eisenhans in der Männerbewegung neu entdeckt worden ist: Ohne eine herausfordernde Kraft, die dich aus dem Alten herausruft, ist ein wirklicher Neunanfang schwer.                                                    

Untertauchen und gewandelt wieder auftauchen. Geht das so, ein Neuanfang?                                                                     Und wenn Sie daran Zweifel haben, was gehört dann dazu, dass ein Mensch auf neue Lebensbahnen kommt?              

 

Johannes verkörpert eine starke Kraft. Gleichzeitig weiß er, dass er dann doch nur der Vorläufer ist.                                 Nach mir wird er einer kommen und ich bin es nicht wert, ihm die Schnürsenkel zu binden.                                                Was für eine Kraft und dabei gleichzeitig welche Demut!

 

8. Juli

Gerade Wege

 

Siehe, ich sende einen Boten vor dir her, der dir den Weg bereiten soll!

 

Der Prophet Jesaja nimmt sich für seine Zukunftserwartung ein im damaligen Orient bekanntes Bild.

Bevor ein König, ein Herrscher (vor allem ein neuer!) die Bühne betritt, schickt er einen Herold,

der ihn ankündigt, ein roter Teppich wird ausgerollt.                                                

Auch wenn Johannes der Täufer diesem Bild äußerlich nicht entspricht, ist er doch auch ein Wegbereiter.

„Bereitet Gott den Weg!“  Vielleicht kennen Sie diese Verse auch in der Vertonung aus Händels Messias

oder anderer Adventsmusik.

Eine wirkliche Advents- und Geburtsgeschichte wie wir sie aus dem Lukasevangelium kennen, gibt es

bei Markus nicht. Bei ihm betritt Jesus als Erwachsener die Bühne. Aber er wird hier in diesen wenigen

Versen dennoch eindrucksvoll angekündigt!

 

Es ist die Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Wege gerade!

 

Mich hat dieser Vers persönlich immer besonders angesprochen.                       

Bote, der Überbringer – na klar, das ist mein Nachname.                                         

Und „gerade“ – das ist nur ein bisschen anders gewürfelt mein Vorname.

Gehört es auch zu meiner Lebensaufgabe, immer mehr „ gerade“ zu werden?

Sie sehen: manchmal geht Bibelauslegung ganz persönliche und unwissenschaftliche Wege!

 

7. Juli 

Jesaja

 

Wie es geschrieben steht beim Propheten Jesaja.Ich mag schon das Wort: „Jesaja!“

Die offenen Vokale, und, wenn man will, zweimal ja, auf englisch und auf deutsch.

Jesaja heißt übersetzt: die Hilfe kommt von Gott.

Die Bibelwissenschaft unterscheidet im Prophetenbuch Jesaja drei unterschiedliche Verfasser.

Deutero-Jesaja, der zweite, ist derjenige voller Wärme, Zuversicht und Trost.

Schauen Sie doch mal hinein!  (Jesaja 40-55)

Wenn Sie eine Bibel haben, in der die besten Stellen fett gedruckt sind, werden Sie hier schöne finden.

Zum Beispiel: Jes 43,1: Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen.                          

Oder Jes 43,19: Siehe, ich will etwas Neues schaffen und erscheinen lassen, siehst du es schon?

(Thema Anfang!)

 

Mit seinem Hinweis auf Jesaja sagt Markus, dass Jesus Christus, seine gute Nachricht,

eine Vorgeschichte hat. Vorausgegangene Menschen wie Jesaja, die einen wie ihn vorgedacht

und dann auch sehnlich erwartet haben. In dieser Hinsicht gilt für Jesus, was für uns alle gilt.

Wir wären nicht das, was wir sind, ohne unsere Vorgänger*Innen.

In unserem Hausflur steht eine kleine Holzskulptur aus Afrika, die darstellt, wie immer eine

Generation auf den Schultern der vorherigen steht: ein sogenannter „Generationenbaum.“

 

Wenn Sie an Ihre Eltern, Großeltern oder sonst an Menschen denken, denen Sie viel verdanken:

auf welchen Schultern stehen Sie?                                

Und gibt es darunter Menschen, die für Sie, wenigstens in einigen wichtigen Aspekten,

so hilfreich und wohlklingend waren wie „Jesaja“?

Merke: auch auf diese Weise vererbte Aufgaben und Herausforderungen können Geschenke sein!

 

6. Juli

Jesus Christus

 

Das dritte große Wort, schon im ersten Vers des Markusevangeliums, ist Jesus Christus. Kein Eigenname, sondern gleich ein Versuch, sein Geheimnis zu beschreiben:Jesus von Nazareth, von dem im Folgenden erzählt werden soll, ist der Christus!

 

Auch in diesem Fall sind mir, gerade zu Beginn(!), die Fragen lieber als die schnellen, „frommen“ Antworten,                      wie das zu verstehen ist.  Wir werden sehen, dass das Christussein von Jesus auch im Markusevangelium                       eine Frage bleibt und für lange Zeit im Verborgenen.

 

Andererseits ist die Frage, was Christus heißt, für das Christentum von zentraler Bedeutung.                                              Ein anthroposophischer Gesprächspartner hat mich vor kurzem darauf aufmerksam gemacht,                                              mit wieviel Liebe wir als Evangelische oft die Geschichten von Jesus erzählen, aber um sein zentrales Christusgeheimnis einen Bogen machen!                                                                                                                                              „Gottheit und Menschheit vereinen sich beide“, heißt es in einem Kichenlied über Jesus Christus. Aber was heißt das, für ihn und für uns? Die Frage wird uns beim Gang durch das Markusevangelium begleiten.

 

Kennen Sie die herrliche ScienceFiction - Parodie „Per Anhalter durch die Galaxis?“ Dort wird erzählt,                                 wie die Menschheit einen gigantischen Computer mit der Frage beauftragt, was der Sinn des Lebens ist.                        Als der Computer nach vielen Generationen endlich das Ergebnis ausspuckt, ist die Erregung und Erwartung hoch. Umso größer die Enttäuschung, auf dem finalen Ausdruck steht nur eine Zahl: 42!                                                                Nun werden die Menschen einen noch größeren Computer bauen müssen, um herauszufinden, worauf 42 jetzt eigentlich die Antwort ist.  Was genau war eigentlich die Frage?

 

Das Markusevangelium nennt auf die Frage nach dem Sinn des Lebens  ( nennen wir es ruhig  mal so) keine Zahl,            keine Wissenschaft, auch keine Theorie. Sondern es verweist auf eine menschliche Gestalt und ein gelebtes Leben!         Der Sinn des Lebens kann sich in einem menschlichen Leben zeigen und verwirklichen.                                                     Das, finde ich, ist schon mal eine gute Nachricht!

 

5. Juli

Evangelium

 

Das zweite große Wort im ersten Vers des Markusevangeliums heißt Evangelium – gute Nachricht!

 Am Morgen ist der Himmel regenverhangen und ich bin es auch noch.

Eine gute Nachricht wäre jetzt fein!

(Immer noch öffne ich den Briefkasten mit einer positiven Erwartung, obwohl dort meistens nur

Rechnungen kommen und insofern keine Nachricht die beste Nachricht ist..)

 Muss die gute Nachricht eigentlich immer von außen kommen?                               

Oder auch aus meinem Innenraum, dem inneren „Bothen“(!) sozusagen?

 

Natürlich habe ich Bilder und Glaubensvorstellungen davon, was „Evangelium“ bedeuten kann:

du bist geliebt, so wie du bist und  – nein, an dieser Stelle keine Aufreihung!

Erstens ist es doch viel besser, Sie nehmen Ihre eigenen, ersten Antworten wahr.

Zweitens sind manche unserer tradierten Sätze vielleicht auch schon längst schon etwas „ausgefranst.“

Heute Morgen hätte ich das Evangelium jedenfalls gern konkreter! 

 

Und ich werde fündig. Die Freundlichkeit des Wassers unter der Dusche  

( und damit auch die Erinnerung an das Tauchen gestern im Reinbeker Tonteich).

Die ersten Kontakte, am Telefon und leibhaftig, freundlich und vertrauenswürdig.

Die ersten Dinge fügen sich und der Himmel klart auch auf.

 

Vertrauenswürdig – das ist überhaupt ein gutes Hinweiswort für „gute Nachrichten.“  

Auf jeden Fall bin ich jetzt schon einen halben Tag mit dem Suchwort „Evangelium“

unterwegs und es tut mir gut! Ich will heute weiter darauf „herumkauen“, was übrigens

eine alte, bewährte Methode der Bibelaneignung ist.

 

Und dann bin ich gespannt, was das Markusevangelium für eine Antwort darauf hat,

was Evangelium bedeutet. Vielleicht sind es ja auch mehrere Antworten, je nach Mensch,

Situation und Frage!

Evangelium - für Markus ist es wohl Überschrift, Zusammenfassung und Appetizer zugleich!

 

Evangelium und Anfang: beides ist wie ein Versprechen und eine Verheißung.

Das kann gar nicht anders sein. Zu einem wirklichen Anfangen reichen Unheilbotschaften nicht aus.

Etwas Gutes, Zukunftsweisendes und dann auch Tragfähiges kannst du nur anfangen, wenn du mit

dem guten, dem warmen und hellen Strom deines Lebens in Berührung kommst.

 

3. Juli 2021

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus (Mk 1,1)

 

Anfang!  Was für ein starkes und richtiges (!) Wort als erstes Wort des Markusevangeliums!

Heute bin ich früh aufgestanden, einmal barfuß durch den noch taufeuchten Garten,

der Himmel nach den letzten Regentagen ist wieder blau. Ich summe das Morgenlied nach

der Melodie von Morning Is Broken und lasse diese Anfangskraft in mich hinein:

Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang, Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt!

 

Manchmal ist es leicht, dabei gilt es eigentlich für jede Tageszeit und jedes Wetter:

du kannst etwas neu anfangen, immer!  Und Gott will etwas mit dir anfangen!

Das kann etwas tatsächlich Neues sein. Oder aber auch, dass ich einen Faden wieder

aufnehme und mit einem neuen Impuls wieder einsetze.

So wie ich bei einer Meditation nach einem inneren Abschweifen mich wieder neu sammle.

Immer wieder neu, „ unverdrossen“, hat meine Gesangslehrerin gern gesagt. 

 

Mit dem ersten Wort Anfang nimmt das Markusevangelium das erste Wort der

Schöpfungsgeschichte auf, als wollte es sagen: Mit dem, was jetzt folgt, setzt auch Gottes

Schöpfungshandeln neu ein.

Evangelium von Jesus Christus – das heißt auch: Schöpfung ist immer.

Gott macht in deinem Leben einen neuen Anfang.

 

Aus dem Zen- Buddhismus borge ich mir das Wort „Anfängergeist“.                                                                                           Blas – und sei es nur für einen Augenblick – den Staub von den Dingen, der sich angesammelt

hat auf allem, so dass du – und sei es nur für einen Augenblick – neu hinschauen kannst,

wie am Anfang, wie ein Kind!

So will ich auch auf das Markusevangelium schauen – und den heutigen Tag.

Anfang! – was für ein starker Beginn!